Seit zehn Jahren arbeitet der österreichische Bildhauer Manfred Wakolbinger auch als Unterwasserfotograf, im Indischen Ozean, in den südostasiatischen Meeren und im Pazifik. Auch dort ist er als bildender Künstler am Werk, mit seinem untrüglichen Blick für Volumen, Raum, Material und Farbe.
Wakolbinger schafft Bilder von Tieren und Organismen – Fischen, Krebsen und kleineren Meerestieren, die das Meer “close to the surface” bevölkern – in ihrer nächsten Umwelt, in ihren Verhältnissen perfekter, aber auch hybrid und grotesk erscheinender Anpassung und Ergänzung. Er erfasst sie auf gleicher Höhe.
Wakolbinger sucht immer wieder nach den Übergängen von unbelebten Strukturen zu belebten Organismen, dem diffusen Bereich der untermeerischen Fauna, in dem sich Geschlecht und Singularität gerade erst auszudifferenzieren beginnen. Übersetzt man aber diese im submarinen Mikrokosmos schwebende Position des Künstlers in Kategorien des sozialen Lebens, wird das Anti-Pathos des Künstlers deutlich: indem er versteht und zeigt, dass es Kooperationen und Kohabitationen, Grenzüberschreitungen, Vermischungen, Parasitismus, Improvisation, Rollenspiel, mimetisches Talent und Erfindungsgabe dieser Lebewesen sind, die das Milieu, das gleich unter der Wasseroberfläche beginnt, beleben und seinen Reichtum ausmachen.
Bottomtime (Grundzeit) bezeichnet in der Taucherterminologie jenen Teil der Tauchzeit, der vom Beginn des Abtauchens bis zum Beginn des Aufstiegs dauert.
Die Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung Manfred Walkolbinger. Bottomtime im MAK Wien, 3. Dezember 2003 - 22. Februar 2004

