Während sich so genannte neue kapitalistische globale Ausstellungsprojekte entwickeln, die entweder ausgewählte Künstler:innen aus der Dritten und Zweiten Welt und ihre Kunstwerke einbeziehen oder nur für sie organisiert werden, entwickelt sich auch ein subtiles System der Ein- und Ausgrenzung. Diese Projekte zeigen einige wichtige neue Richtungen auf, die nicht nur als konzeptionelle, sondern auch als technologische Verschiebungen angesehen werden können. Der Schlüssel dazu ist die Technik des Transfers, die die Mittel zur Reproduktion bereitstellt. Das Zentrum (die kapitalistische Erste Welt) etabliert hegemoniale Interpretationen der anderen Welten. Wir können einen dialektischen Prozess zwischen der Technologie des Schreibens und der Politik des Veröffentlichens erkennen.
Theorie und die Industrie der theoretischen Schriften sind präzise pyramidale Konstruktionen, die sorgfältig abgesichert werden. Wer wo und wann publizieren darf und wer darüber hinaus die erste Interpretationslinie liefert, sind äußerst wichtige Entscheidungen innerhalb des kapitalistischen Systems. Zur Unterstützung von Weltausstellungen und globalen Kulturprojekten werden riesige Symposien, Seminare und Podiumsdiskussionen organisiert, auf denen dieselben theoretischen Persönlichkeiten und öffentlichen Meinungsmacher auftreten, die das kapitalistische System in theoretischer Hinsicht ständig reproduzieren. Es ist völlig klar, dass wir es im Bereich der globalen zeitgenössischen Kunst und Kultur nicht nur mit Gesten des Austauschs und der Produktion zu tun haben. Vielmehr geht es um die Absteckung politischer Linien innerhalb eines bestimmten (öffentlichen) Raums, um eine Kodifizierung dieses Raums und um die Benennung seiner politischen Subjekte. Die Frage ist, ob es neben diesem Prozess der Kodifizierung auch Räume des Widerstands gibt?
Maria Gržinić
